FührungsTipp November 2014:
“Tanzen Sie auf zu vielen Hochzeiten?”

Für den November meine Anregung, dass Sie sich wieder einmal Zeit für Ihre Zeitqualität nehmen. Was zu viel ist wird leider oft noch mehr, und wer nicht aufpasst, der „muss“ dann reagieren, weil er es versäumt hat rechtzeitig Nein zu sagen. Das Ergebnis ist dann oft ein Leben im Schleudergang mit der Folge von Teilanwesenheit. Beim Essen, beim Kommunizieren, beim Arbeiten, bei der Liebe, beim Autofahren usw. Also:
„Sei da, wenn Du da bist“

Uhren-Grafik 1.11.14Wollen und nicht müssen! Sie wären ja ansonsten nicht selbstbestimmt und andere würden Ihr Schicksal steuern.

Wann haben Sie Ihren letzten Rollen-Check durchgeführt?
Einer unserer Teilnehmer hat es einmal auf sagenhafte 37 Rollen gebracht. Sein Habitus strahlte meistens Angespanntheit, einen erhöhten Adrenalinspiegel, körperliche Unruhe und nervöse Reaktionen aus. Besonders die unruhigen Augen und der immer gerötete Kopf sind mir in Erinnerung geblieben und sein Klagen über Schlaflosigkeit. Er hatte permanent das Gefühl, nicht allen Rollen gerecht zu sein.

Was sind Rollen?
Es sind all die dauerhaften Angelegenheiten, zu denen Sie mehr oder weniger gesagt haben: „Ja, ich kümmere mich.“ Manche Rollen bekommen Sie automatisch, andere sind Ihnen wie selbstverständlich zugefallen und viele haben Sie aktiv an sich gezogen. Unabhängig vom Motiv, Sie haben sie. Und im Gegensatz zu einer Aufgabe in der Regel dauerhaft.
Beispielsweise:
Ehemann, Ehefrau, Beziehungspartner, Vater oder Mutter (für jedes Kind das Sie haben), selbst Kind von Eltern, Schwiegersohn oder –tochter, Freund von X Personen (jeder nimmt eine Rolle in Anspruch), Vereinsmitglied, Parteimitglied, Putzfrau/-mann, Koch/Köchin, Haushälter/-in, Sportler, Hobbyist, Verkäufer, Mitarbeiter, Chef von X Mitarbeitern, Seelsorger, Nebenjobber, Pfadfinder für andere, Ehrenamtlicher, Nachbar, Heimwerker, Gärtner im eigenen Garten usw.

Viele Rollen sind oft mehrfach (Kinder, Mitarbeiter, Freunde, Hobbys) besetzt und können so zu dem oben genannten Rekord führen. Irgendwann schaffen Sie es nicht mehr, da zu sein, obwohl Sie da sind. Wer beispielsweise seine geschäftlichen Rollen nicht mehr im Überblick hat, der verliert möglicherweise seine privaten aus den Augen. Wer für alle den Seelsorger spielt, dem fehlt möglicherweise die Konzentration auf sich selbst. Und wer sich schecht organisiert in seinen Rollen, der verliert sich im Mikromanagement und letztendlich den Überblick. Da herrscht dann nur das unterschwellige Gefühl vor: „Irgendwie ist mir das zu viel.“
Der Mensch kann dauerhaft ca. 9 Rollen so gut ausfüllen, dass beide Seiten zufrieden sind. Wie viele haben Sie derzeit inne?

Für Sie im Folgenden einige Impulse, damit Sie Ihre Qualität im „da sein“ ausbauen können:

  1. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre persönliche Qualität und einen Rollen-Check
    • Erstellen Sie eine Liste/Tabelle mit Ihren derzeitigen Rollen.
    • Schreiben dahinter wen diese Rolle betrifft.
    • Daneben notieren Sie unbedingt den Sinn dieser Rolle.
  2. Führen Sie eine Bereinigung durch
    • Für Sie sinnlose Rollen geben Sie schnellstens auf oder ab.
    • Risikofrage: „Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn ich es tue?“
  3. Lernen Sie Nein zu sagen
    • Wenn jemand mit einer neuen Rolle auf Sie zukommt, dann nehmen Sie diese nur an, wenn Sie aus der oben genannten Liste eine streichen.
    • Lernen Sie, besonders im geschäftlichen Bereich, Rollen zu delegieren.
      • Bsp. Ein Verkaufsleiter, der bei jedem Promille Nachlass Detailverhandlungen seines Verkäufers übernimmt, der wird bei mehreren Mitarbeitern Reibungsverluste bezüglich seiner Führungsaufgabe hinnehmen müssen.
  4. Seien Sie nicht zu radikal – hinterlassen Sie keine „aktiven Feinde“
    • Sagen Sie nicht rigoros: „Nein, mache ich nicht!“ oder „Nein, keine Zeit für so was!“
    • Seien Sie zugewandt (empathisch):
      • „Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, mich damit zu betrauen / mich hier einzubeziehen.“ Leider kann ich das nicht tun/übernehmen. Mein derzeitiger Zeitplan lässt das nicht zu.“
      • „Danke dass Du Dich mit Deinen Sorgen an mich wendest. Momentan bin ich leider nicht in der Lage Dir zu helfen.“
      • „Alles kann ich Dir/Ihnen bedauerlicherweise nicht abnehmen. Wäre dir/Ihnen geholfen, wenn … (Teilvorschlag)?“

Fazit: Sie werden erleben wie befreiend es sein kann Dringliches zu reduzieren, mehr Zeit für Ihr Wesentliches zu erhalten und wirklich da zu sein, wenn Sie da sind.

SpezialTipp: Horchen Sie auch einmal zu Hause rein, ob Sie zu diesem Thema Reflexionen (Warnzeichen) erhalten, die Sie wegen zu vieler Rollen geflissentlich überhören?

Diese und weitere spannende Themen können Sie in meinem Buch „Führen ohne Leiden“, welches im Frühjahr 2015 bei Springer-Gabler erscheint, noch tiefergehender nachlesen. Natürlich ebenfalls in unseren Trainings live erleben.

Buddha hat passend zum Thema einmal folgendes gesagt:
„Das Leben ist kein Problem, das zu lösen ist, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

Sie sagen: „Das kenn´ ich schon!“, dann lautet meine Frage: „Setzen Sie es schon nachhaltig um und ein?“
Zu diesem und weiteren Führungsthemen starten wir ab 26. März 2015 wieder ein Kompetenz-Seminar für Führungskräfte in München.

Herzliche Grüße
Ihr Spezialist für das „eigentlich“

Peter Saulus

2 Gedanken zu “FührungsTipp November 2014:
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