FührungsTipp Oktober 2014:
„Gehen Sie gekonnt mit Menschen um, die sich schnell persönlich angegriffen fühlen!“

Durch ein Erlebnis bin ich letzte Woche wieder einmal auf einen Teilaspekt der Kommunikation gestoßen, der vielen Menschen das Miteinander richtig schwer machen kann. Hierzu meine Anregung für garantiert mehr Arbeits- und auch Lebensqualität:
„Gehen Sie gekonnt mit Menschen um, die sich schnell persönlich angegriffen fühlen!“

Kürzlich stand ich an der Kasse eines Supermarktes, um meine gekauften Waren zu bezahlen. Vor mir eine Dame  die eine ganz Menge eingekauft hatte. Die Kassiererin wollte deren Einkaufwagen-Nummer haben. Sie beugte sich allerdings in meine Richtung und sagte zu mir: „Kann ich bitte einen Blick auf Ihren Wagen werfen, um die Nummer zu notieren.“ Ich erwiderte spontan: „Tut mir leid, da gehöre ich nicht dazu!“ Dabei deutete ich auf den Wagen der Frau.
Da giftete mich diese urplötzlich an: „Und, wäre das so schlimm?“, und brummelte etwas von „unmöglich oder unhöflich“ in sich hinein.
Als Kommunikationstrainer habe ich sofort realisiert, dass da jemand etwas in den falschen Hals bekommen hatte. Anstatt meine Sachaussage wahrzunehmen, hat sie, warum auch immer, eine Beziehungsaussage hineininterpretiert. Mit einem charmanten Lächeln habe ich versucht, der Dame für den Tag dann wieder etwas Positives mitzugeben.

Wie ist es in Ihrem Führungsalltag, aber auch in Ihrem privaten Umfeld? Reagieren Sie auch zu oft mit einem übersteigerten Beziehungs-Ohr? Hören Sie das Gras wachsen, obwohl Sie sich in der Wüste befinden? Regen Sie sich über die Maßen über vermeintliche Beziehungsaussagen auf, und bereuen das immer wieder hinterher? Weil da gar nichts ist und war, was persönlich gemeint sein könnte? Fühlen Sie sich zu oft angegriffen?

Oder haben Sie es mit Mitarbeitern oder Partnern zu tun, die ein riesiges „Beziehungs-Ohr“ haben? Die Sie mit pampigen, beleidigten Reaktionen nerven oder zumindest verblüffen, obwohl Sie keineswegs eine Beziehungsaussage treffen wollten?

Fazit: Damit verderben sich Menschen unnötig Ihre Zeit bzw. die von Anderen. Egal, in welcher Beziehung sie miteinander stehen. Durch übermäßiges Grübeln („Was könnte wohl gemeint sein?“ bzw. „Warum regt sich der/die schon wieder so auf?“) wird unweigerlich die Qualität und Produktivität innerhalb von Beziehungen reduziert.

Für Sie im Folgenden einige Impulse, damit Sie als Führungskraft (oder Partner) energieschonend damit umgehen, wenn Sie mit übersteigerten Beziehungsreaktionen konfrontiert werden:

  1. Aufregung reduzieren
    • „Ich wollte Ihnen keinesfalls zu Nahe treten. Mir ging es um ….. (die Sache)“.
  2. Grund erforschen
    • „Was haben Sie verstanden, dass Sie sich so betroffen fühlen?“
  3. Rhetorik einsetzen (Vorsicht!)
    • „Sie wollen also ausdrücken, dass ich Sie absichtlich beleidigen wollte!“
    • „Was habe ich Ihnen getan, dass Sie mich so heftig angreifen?“
  4. Sich Entschuldigen
    • Sollten Sie zu „ruppig“ gewesen sein, dann macht sich eine einfache Entschuldigung gut. „Es tut mir leid, dass Sie sich betroffen fühlen. Ich habe das nicht so gemeint. Entschuldigung.“
    • Führungskräfte sollten hierzu die Größe besitzen!
  5. Ignorieren und abprallen lassen
    • Wenn Sie keine Beziehungsaussage treffen wollten, dann ist es doch gut … und Sie können „gnädig“ zu den Aufgeregten sein.
    • Regen Sie sich nicht auf, weil sich andere aufregen! Werden Sie selbst durchlässiger.
  6. Keinesfalls ignorieren und abprallen lassen
    • Wenn Sie merken, dass Sie unterschwellig jemandem eine „reinwürgen“ wollten, weil Sie Angst hatten, direkt etwas offen anzusprechen, dann ist es ratsam, die Reaktion des Gegenübers ernst zu nehmen.
    • Wenn Sie das zu oft nicht richtig einordnen, kann es Ihnen passieren, dass Sie auf einmal alleine da stehen bzw. Mitarbeiter verlieren.

SpezialTipp:
– Frauen kommunizieren wesentlich beziehungsorientierter als Männer.
– Männer kommunizieren überwiegend sachorientiert … glauben sie jedenfalls.
– Kümmern Sie sich um Ihre unerledigten, zwischenmenschlichen Angelegenheiten!

Sollten Sie zu oft am Tag mit Beziehungs-Reaktionen zu tun haben, obwohl Sie die Sache meinen, dann kann es sinnvoll für Sie sein, Ihre eigene Kommunikation zu überprüfen. Möglicherweise sprechen Sie Menschen zu harsch, zu direkt und unterschwellig persönlich an.
Das geschieht oft unbewusst, wenn man Stress oder Angst hat. Aber auch, wenn zu wenig Bewusstheit für die eigene Sprache und deren Wirkung vorliegt. Hier kann durch ein Training und/oder Coaching eine empathische Kommunikation gefördert werden! Gute Bücher gibt es für den Anfang auch dazu.

Diese und weitere spannende Themen können Sie in meinem Buch „Führen ohne Leiden“, welches im Frühjahr 2015 bei Springer-Gabler erscheint, noch tiefergehender hinterfragen. Natürlich ebenfalls in unseren Trainings live erleben.

Mahatma Gandhi hat passend zum Thema einmal folgendes gesagt:
Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.“

Sie sagen: „Das kenn´ ich schon!“, dann lautet meine Frage: „Setzen Sie es schon nachhaltig um und ein?“
Zu diesem und weiteren Führungsthemen starten wir ab 13. November 2014 wieder ein Kompetenz-Seminar für Führungskräfte in München.

Herzliche Grüße
Ihr Spezialist für das „eigentlich“

Peter Saulus