FührungsTipp September 2014:
„Werten Sie die Kommunikation
in Ihrem Unternehmen auf?“

„Bei uns läuft es eigentlich ganz gut mit der Kommunikation.“ Damit dies nicht nur ein selbstberuhigendes Gefühl von Ihnen ist, mein Monatsimpuls zum Thema:
„Kommunikationsbarrieren abbauen und verhindern“

Da habe ich kürzlich von der Jahresauftaktveranstaltung eines großen Markenartiklers gehört, in welcher der (neue) Vertriebsleiter auf die Bitte, etwas näher zu erläutern das Auditorium mit den harschen Worten verließ: „Genug geredet. Halten Sie sich an das was ich gesagt habe, sonst gibt es Feuer auf dem Dach.“
Da wollte sich wohl jemand in einer bestimmten Art aufstellen und verlautbarte damit: „So funktioniert meine Kommunikation und Motivation.“
Davon habe ich erfahren, weil gleich am nächsten Tag zwei Mitarbeiter wegen der Suche nach einem neuen Job bei mir anriefen. Ich habe nicht nur diese, sondern viele andere Mitarbeiter aller Hierarchieebenen zum Thema „Kommunikationsbarrieren“ befragt.
Zusammengefasst: Wenn Kommunikation im Unternehmen als unzureichend und schlecht empfunden wird, fehlt es an:

1. Zuverlässigkeit & Wertschätzung

  • Wenn vereinbarte Gesprächstermine vergessen oder nicht eingehalten werden.
  • Versprochene und zugesagte Informationen sind nicht vollständig, werden schludrig oder während eines Multitasking-Vorgangs übermittelt
  • Wenn Bitte und Danke bei Aufträgen fehlen.

2. Gleicher Ebene und Respekt

  • Wenn jemand glaubt, das vorgenannte (unter 1.) tun zu können, bloß weil der Gesprächspartner ein „Untergebener“, Dienstleister oder sonst wie bezahlter „Erdulder“ ist.
  • Auch das nicht souveräne Ausleben schlechter Laune und schlechten Tons ist meist nur den „Ich-oben-Du-unten-Denkern“ eigen.

3. Spürbarem Interesse am Anderen und Empathie

  • Wenn während des Gespräches, dem Meeting oder sonstigem kommunikativen Austausch etwas anderes gemacht wird, als teilzunehmen. SMS- und Mailverkehr, oder gar das Annehmen von Anrufen.
    • Dies lässt auf eine infantile Machtdemonstration bei den derartig Handelnden schließen. Ich rede hier nicht von einem echten Notfall, obwohl manche jeden Kundenanruf dazu machen! Fehlende Empathie bedeutet in diesem Fall: Hier wird noch nicht einmal bemerkt, wie auf anderen herumtrampelt wird.

4. Dem Blick für die Gesamtheit des Unternehmens und der Ziele

  • Werden im Ressortdenken kleinlich die eigenen Pfründe verteidigt?
  • Informationsweitergabe hat etwas Geheimbündlerisches?
  • Durch das taktische motivierte zu wenig oder zu viel an Kommunikation wird für die eigene Sphäre ein Vorteil erwartet?

5. Angstfreier Offenheit und Ehrlichkeit

  • Angst verhindert Offenheit. Sie fördert Unehrlichkeit und ist Garant für nachhaltiges Leiden bei der auslösenden Führungskraft. Sie ist auch ein Hauptinitiator für unterschwellige Konflikte und Teufelskreise.

6. Souveränität mit Verstehen

  • Sinnlose Wettkämpfe um des Rechthabenwillens, die garantiert das Leiden des Verlierers erhöhen und auf lange Sicht auch dem scheinbaren Sieger schaden.

7. Sachlichkeit und Objektivität

  • Oft sorgt ungenügende Vorbereitung dafür, dass zu viel Kram und Zeug ohne fundierten Hintergrund behauptet wird. Dies führt zwangsläufig von der Sache weg und hin zur Beziehung.
  • Hilflose Trotzeinwürfe, sinnlose Wettkämpfe, starre Verbissenheit oder Rumlamentieren, alles verlängert dann den Weg zum gewünschten Ergebnis.

8. Rhetorischer Kompetenz

  • Keine Fragen in die Tiefe oder Breite stellen können, Geschwätz das nicht zum Ende kommt, Drumherumgerede, Rechtfertigungen usw. machen den Zuhörern klar, dass da jemand viel redet, aber nichts zu sagen hat.

9. Psychologischer Kompetenz

  • Immer das Beziehungsohr spitzen, obwohl dafür kein Grund besteht. Sich immer persönlich angegriffen fühlen, auch wenn nur Fragen gestellt werden oder ein Vorschlag zur Sache gemacht wird.
  • Sich nicht im Griff haben, unterschwellige Anweisungen geben oder Andeutungen machen.
  • Sich nie damit auseinandergesetzt zu haben, was andere anspricht oder verletzt.
  • Wahrnehmung nur auf das Gehörte oder Gesehene zu reduzieren und nie auf das Gespürte auszudehnen (fehlende Empathie).

10. Zeit- und Selbstwahrnehmung

  • Zeitdiebe, die unvorbereitet vereinbarte Gesprächszeiten auf Kosten anderer ausweiten
  • Sich überhaupt nicht an das vereinbarte Thema halten
  • Jedem Gedankensprung hinterherlaufen und Zeitverbrauch nur fühlen, wenn die anderen mit reden dran sind.
    • Ich spreche hier nicht von einer kreativen Session, sondern von einem zeitlich abgesteckten Meeting mit gültiger Agenda.

11. Sinnhaftigkeit

  • Klingt nach einer abgehobenen Forderung an die gemeinsame Kommunikation. Bei vielen Gelegenheiten im geschäftlichen Alltag ist es unbedingt empfehlenswert, Sinn zu vermitteln. Und zwar für alle Beteiligten. Gewöhnen Sie sich an, Sinnloses nach Sinn zu hinterfragen. Manchmal haben Sie vielleicht nur was überhört. Jedoch ist vieles was kommuniziert wird nur sinn-entleertes Geschwätz. Bei einem gewollten Smalltalk ist das möglicherweise etwas anderes, um den geht es hier jedoch nicht.

 

Wie ist es um diese „Fehlermeldungen“ in Ihrem Verantwortungsbereich bestellt?
Bei Ihnen fehlt es an nichts? Dann gratuliere ich Ihnen.
Ansonsten liegt es in Ihrer Verantwortung sich zu kümmern und störende Kommunikationsbarrieren abzubauen. Defizite in der Kommunikation können für anhaltendes Leiden sorgen. Nicht nur im Business!
Diese und weitere spannende Themen können Sie in meinem Buch „Führen ohne Leiden“, welches im Frühjahr 2015 bei Springer-Gabler erscheint, noch tiefergehender hinterfragen.

Passend zum Thema ein Zitat von Christoph Lichtenberg (Physiker):
„Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn wir es anders machen. Wenn es aber besser werden soll, dann sollten wir es anders machen.“

Sie sagen: „Das kenn´ ich schon!“, dann lautet meine Frage: „Setzen Sie es schon nachhaltig um und ein?“
Zu diesem und weiteren Führungsthemen starten wir ab 20. Okt. 2014 wieder ein Komptetenz-Seminar für Führungskräfte in München.

Herzliche Grüße
Ihr Spezialist für das „eigentlich“

Peter Saulus